Predigt zum Thema Dämonen

Predigt zum Thema Dämonen 2016 in Neuhütten

 

Lesung Lk 9, 37 – 43 Heilung eines besessenen Knaben

Es begab sich aber, da kam Jesus eine große Menge entgegen. 

Und siehe, ein Mann aus der Menge rief: Meister, ich bitte dich, sieh doch nach meinem Sohn; denn er ist mein einziger Sohn. 

Siehe, ein Geist ergreift ihn, dass er plötzlich aufschreit, und er reißt ihn, dass er Schaum vor dem Mund hat, und lässt kaum von ihm ab und reibt ihn ganz auf. 

Und ich habe deine Jünger gebeten, dass sie ihn austrieben, und sie konnten es nicht. 

Da antwortete Jesus und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein und euch erdulden? Bring deinen Sohn her! 

Und als er zu ihm kam, riss ihn der böse Geist und zerrte ihn. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist und machte den Knaben gesund und gab ihn seinem Vater wieder. 

Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit Gottes. 

 

Liebe Gemeinde,

 

meistens sind es die, die sich für ganz fromm halten, die einen fragen: „Glaubst du an den Teufel?“ Dann wundere ich mich. — Glauben Sie an den Teufel? An Dämonen? An das Böse?

 

Ich erlebe das Böse und ich erlebe Mächte, die mein Leben und das anderer in Frage stellen. Das gehört zu meiner Realität. Etwas, das ich bin, das zu mir gehört, das ich aber irgendwie auch nicht bin:

 

- Da gibt es vielleicht an bestimmten Tagen mit großen Stimmungsschwankungen eine Stimme in mir, die mir sagt: „Gib Gas. Fahre auf den nächsten Baum. Dann ist alles gelöst.“ Das ist eine Stimme in mir selbst, die zu mir redet – aber irgendwie bin ichs nicht.

Auch Martin Luther übrigens berichtet von solchen Stimmungsschwankungen, v.a. in der Zeit auf der Wartburg, in der er unter Einsamkeit litt. 

 

- Ich will abnehmen, aber ich sterbe, wenn ich nicht gleich eine Tafel Schokolade esse. Ich bin es selbst, die dann zum Essen greift – und auch irgendwie nicht.

 

- Da ist der Mann, der immer unfreundlich ist. Es kommt bei anderen immer motzig und unfreundlich rüber. Vielleicht will er das gar nicht immer so. Er sagt es – aber irgendwie gehört es nicht zu ihm, denn er würde viel lieber das Gleiche freundlich sagen. Es geht nicht.

 

- Da ist ein Geschwür oder Krebs in meinem Leib. Bin ich das? Ich will es nicht sein, es zerstört mich und gehört nicht zu mir. Aber es ist doch in mir. Ein Teil von mir.

 

- Ich habe solche Angst: Vor Bakterien, vor dem Fremden, vor Veränderung. Dabei wäre ich viel lieber mutiger. Aber die Angst sitzt tief und bestimmt mein Handeln und Reden. Diese ganzen Untergangsstimmungs-Menschen in unseren Zeiten erlebe ich hier.

 

- In der biblischen Geschichte wird ein Junge geschildert. Er fällt hin, wird starr, hat Schaum vor dem Mund. Alles unkontrolliert. Wir würden heute sagen: er hatte epileptische Anfälle. Sie bedrohen sein Leben im Wasser und im Feuer. Er ist es, der diese Anfälle hat, aber seine Krankheit erlebt er als etwa Fremdes, das letztlich nicht zu ihm gehört.

 

- Oder ein anderer: der nackt in den Grabhöhlen haust. Niemand kann ihn zur Vernunft bringen. Er bedroht andere und sich selbst. Das klingt schizophren: Der Mann zerstört sein eigenes Leben.

 

Ich erlebe in meinem Leben und im Leben anderer solche Mächte, die wie eine Fernsteuerung erlebt werden.

Menschen mit psychischen Problemen, Menschen mit Krankheiten, Menschen mit Süchten, sie erleben sich selbst nicht mehr als Herr über ihren Körper und ihr Verhalten. Sie haben die Kontrolle verloren und das richtet sich gegen sie selbst.

Und um das auszudrücken, dass da ein anderer Herr im Hause zu sein scheint, gebraucht die Bibel das Wort „Dämon“. 

Es offenbar die Hilflosigkeit eines Menschen und seine Ohnmacht. Ich bin fest im Griff eines anderen.

 

Ich sage es bewusst: Das Wort „Dämon“ spiegelt dieses Eigenerleben von Menschen. Niemals würde ich zu jemandem hingehen und sagen: „Du hast aber einen bösen Geist in dir! Du bist besessen!“ 

 

Wenn Jesus zu einem Besessenen kommt, dann fragt er gelegentlich: „Wie ist dein Name?“ Er will wissen, um welche Art von Fernsteuerung es sich handelt. 

Er fragt manchmal auch: „Seit wann hat der Junge das?“ 

Er fragt nie: „Bis du schuldig, was hast du dafür getan, dass du diesen Dämon hast?“

 

Wir würden heute gerne einteilen, woher einer die Fernsteuerung hat: Ob er sie selbst gerufen hat, z.B. bei Süchten und nun eben die Türe nicht mehr zukriegt. Ob einer nicht charakterstark genug ist und sich nicht „im Griff“ hat wie z.B. beim Alkohol oder Essen. Oder ob einer „nichts dafür“ kann wie bei psychischen Krankheiten. Vielleicht spielt es ja auch gar keine Rolle. Jesus jedenfalls fragt nicht danach. Und er macht denen, die gebracht werden als „dämonisch Besessene“ auch keinen Vorwurf. Sie sind gestraft genug durch diese innere Zerreißprobe, die sie immer wieder bestehen müssen. Nicht einmal dem Mann aus Gerasa, der so viele böse Geister hat, macht er „die Hölle heiß“.

Es geht nicht darum zu fragen, woher die Geister kommen, es geht nur darum, Menschen davon zu befreien.

 

Beim Lesen der Geschichten fiel mir sogar auf, wie gelassen, vielleicht sogar heiter, Jesus mit diesen Situationen umgeht. Oft geben die Geister ja noch eine Extravorstellung, damit jeder sehen kann, wie sehr sie diesen Menschen beherrschen. Jesus ist davon nicht beeindruckt: Er bedroht die Geister, er befiehlt, er betet für die Kranken, er schickt die Geister in eine Schweineherde. Und dann sind sie wieder gesund.

Jesus ist gewohnt, gegen „Dämonen“, gegen die lebensfeindlichen Mächte zu siegen. Das ist für ihn ganz frei von Zweifeln! Denn es ist klar, wer der Allerhöchste ist.

 

Und auch für die Geister selbst gibt es daran keinen Zweifel! Sie erkennen Jesus immer. „Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes des Allerhöchsten? Ich bitte dich: Quäle mich nicht!“ (beim Bessessenen von Gerasa) Sie wissen, mit wem sie es zu tun haben. Sie haben manchmal Extrawünsche. Aber sie wissen es, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hat. 

 

Wo ich Jesus in mein Herz lasse, wo er sein Machtwort spricht, da wohnt wieder der richtige Herr im Hause in mir. Da ist der Kampf gewonnen und die Fremdbestimmung beendet.

 

Ich habe vorhin von Martin Luther geredet. Von ihm werden sehr verschiedene Geschichten überliefert. Einmal auf der Wartburg soll er in der Nacht durch den Teufel geweckt worden sein. Mit einem beherzten Wurf mit dem Tintenfass soll Luther sich verteidigt haben. Zu anderen Zeiten wehrte er sich durch Gebet, „fröhliches Singen“ oder durch den Hinweis auf seine Taufe. 

Einen festen Herrn im Hause zu haben, Jesus Christus, und sich auf ihn zu berufen, war für ihn wichtig. Gebet und Lied stellen diese Nähe zu Christus wieder her.

 

Liebe Leute, noch ein praktisches Wort: 

Ich bin nicht der Meinung, dass jeder, der psychisch krank ist oder Epileptiker, einfach nur beten soll. Und wenn er nicht gesund wird, dann glaubt er nicht genug. Diese Meinung vertreten ja auch eine Menge Kirchen. Nicht allerdings unsere.

Jeder Kranke nehme die Dienste von Ärzten und Therapeuten in Anspruch und da kann schon viel geholfen werden. Dagegen ist Jesus nicht. 

Aber bei allem bleibt noch ein großes Feld, das kein Arzt und kein Therapeut heilen kann. Und hier kommt Jesus zu uns.

Neulich sagte mir eine Frau, es sei ihr völlig unklar, wie Menschen von einer Sucht geheilt werden können, ohne zum Glauben zu kommen. Denn für alles, was einer aufgibt – und wenn es nur eine „Fernbedienung“ ist – braucht man etwas anderes: Wenn der eine Herr (der Alkohol) geht, muss ein neuer kommen.

Wenn ich vorher mit dem Alkohol alles um mich herum vergessen wollte, dann muss ich mir neue Strategien erlernen, wie ich das Belastende vergessen kann. 

Jesus spricht auch davon, dass die 7 Geister, wenn sie aus einem Menschen ausgetrieben sind, zurückkommen können und es dann noch ärger treiben als vorher (Lk 11, 24ff). Schon manche Diät hat sich als Bumerang erwiesen und manche Sucht kam doppelt wieder.

- Wir brauchen einen neuen Herren im Hause, der bei uns bleibt, der die Lücke ausfüllt.

Der uns sagt, wie wertvoll wir sind, dass wir Vergebung empfangen, dass wir niemals alleine sind, dass unsere körperliche Gesundheit für unser Leben nicht alles ist, was uns ausmacht.

Also bitte: Behandlung ja! Aber gleichzeitig vergessen Sie nicht, Ihr Herz für Jesus und seine Botschaft zu öffnen. Dann kann es gelingen.

 

Rechnen Sie mit der Gegenwart des neuen „Herrn im Hause“, reden Sie mit ihm, beten Sie, singen Sie Lieder, lesen Sie die Bibel. Aber v.a. lassen Sie es in Ihr Herz, dass er sie zum Leben führen möchte und allem Tode widerspricht.

Werfen Sie das Tintenfass!

Nehmen Sie Jesus auf den Beifahrersitz, wenn Sie in der Gefahr stehen, den nächsten Baum zu nehmen!

Geben Sie ihm einen Teller an Ihrem Tisch, wenn die Diät Mühe macht!

 

Glauben Sie an den Teufel? An Dämonen? An das Böse?

Nein, natürlich glaube ich nicht an den Teufel! 

Ich glaube an Jesus Christus. 

Ich glaube an Jesus Christus, der die Macht hat, diese lebensfeindlichen Mächte zu besiegen ohne Mühe.

Ich glaube daran, dass dort, wo Christus „Herr im Hause“ ist, das Böse in meinem Leben besiegt werden kann und mir so das Leben geschenkt wird. 

Und darum habe ich auch keine Angst vor ihnen. Ich fürchte mich nicht vor den Mächten, denn das hieße: ihnen Macht über mich zu geben.

Aber: Die Macht in meinem Leben gehört Jesus Christus.

- Ich glaube an Jesus Christus. 

Amen.