Predigt zu den Allgemeinen Regeln John Wesleys – Teil 3

(Der Gründer der Methodistischen Bewegung, John Wesley, hat für seine Leute eine kleine
Zusammenfassung dazu geschrieben, was für die Methodisten gilt. Sie wurde bekannt als
„Allgemeine Regeln“ und umfasst drei Regeln: 1. Nichts Böses tun, 2. Gutes tun, 3. In der Liebe
Gottes bleiben.
Diese Predigt bezieht sich auf die dritte Regel.
Der Wortlaut John Wesleys zu dieser Regel lautet in einer modernen Fassung:
„Wir drücken unsere Sehnsucht nach Befreiung und Rettung dadurch aus, dass wir Gottes
Gnadenmittel bewusst und regelmäßig in Anspruch nehmen und IN DER LIEBE GOTTES
BLEIBEN.
Gnadenmittel sind:
+ der öffentliche Gottesdienst.
+ Die Verkündigung von Gottes Wort – sei es gelesen oder ausgelegt.
+ Das Abendmahl.
+ Das Gebet in der Familie oder alleine.
+ Das Forschen in der Bibel.
+ Fasten und Verzichten.“
Text aus: Herausfordernd einfach, 3 Regeln, die das Leben verändern. Hg vom Referat
für Öffentlichkeitsarbeit der EmK, Frankfurt am Main)
Liebe Geschwister,
1. Beispiel
Als ich am Morgen des 12. Juni am Frühstückstisch saß, hatte ich
eine etwas unruhige Nacht hinter mir. In einem ziemlich bedrohlichen
Traum hatten mich Menschen angeschrien und eingeschüchtert, ich
hatte mich nicht recht wehren können und bin ziemlich gerädert und
mit wenig Mut und Kraft für den Tag aufgewacht.
Dann schlug ich wie jeden Morgen das Losungsbuch auf und las das
Wort „Ich bin es, der euch tröstet, ich allein. Und da fürchtet ihr
euch noch vor der Macht eines Menschen? Was ist schon ein
Mensch? Sterben muss er, verdorren wie das Gras!“ (Jes 51, 12) -
Fast musste ich lachen!
Und ich habe gedankt für diese Frohe Botschaft am Morgen, die mir
die Verhältnisse wieder geraderückte, die mich aus dem Gleichgewicht
gebracht hatten. Gestärt ging ich in den Tag – dank
des Wortes Gottes.
Solche Erlebnisse lehren mich immer wieder, wie gut es ist, an den
Gnadenmitteln dranzubleiben. Wie wäre dieser Tag geworden ohne
das Wort Gottes für mich? Ohne dass mich schon am frühen Morgen
der Geist Gottes getröstet hätte?
J. Wesley ermutigt uns – ja ermahnt uns fast – die Gnadenmittel
Gottes reichlich zu gebrauchen. Ja, überall wo sie sich bieten, sollen
wir sie nutzen, um Gott eine Chance zu geben, in unser Leben zu
sprechen.
Nein, eigentlich ist es andersherum: Gott hat alle Chancen, in unser
Leben zu sprechen. Dazu braucht er keine besonderen Mittel.
Aber WIR brauchen es, dass wir durch die Gnadenmittel uns öffnen
für Gott. Gott bietet es uns an, seine Nähe im Gebet, im
Gottesdienst, im Abendmahl, im Fasten ganz besonders zu spüren.
Und wenn er uns das vorschlägt – wer sind wir, dass wir es ablehnen?
Wir bringen uns selbst um eine wunderbare Gnade.
2. Die Anfänge und was Jesus sagt:
Schon in den Anfängen ist es ja vermerkt: „Die Jünger blieben aber
beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im
Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg 2,42). Das hat sie an Jesus
gehalten, diese Treffen haben sie weitergebracht und auch mutig
gemacht. Und ich denke das ist bis heute so: Kein echter Christ, der
nicht in der Bibel liest, der nicht die Gemeinschaft sucht, das
Abendmahl besucht und betet. Das sind die Grunddisziplinen, durch
die wir erfahren, wie sehr Gott uns liebt, und auch dauerhaft davon
leben.
Und auch zum Beten fordert er uns auf. Nicht öffentlich, sondern im
stillen Kämmerlein. Aber doch beharrlich wie die bittende Witwe, die
ihr Recht bei dem Richter bekommt, weil sie sich beharrlich dafür
einsetzt. Jesus schenkt uns das Vaterunser und Paulus beschreibt,
dass wir uns keine Sorge um die Worte im Gebet machen müssen. Der
Heilige Geist betet in uns, wo wir keine Worte mehr haben. – Auch
hier: Gottes Nähe – erfahrbar – wird verheißen, wenn wir das Gebet
nutzen. 
Das Abendmahl: „Tut solches zu meinem Gedächtnis!“ steht in der
Bibel. Das ist eine Aufforderung, ein Befehl. Jesus möchte gerne,
dass wir das Abendmahl feiern, er lädt uns dazu ein. Nicht dass der
Gottesdienst dadurch länger wird 😊 sondern dass etwas geschehen
kann zwischen mir und dem Heiligen Geist.
Ich habe es selbst mehrfach erlebt, dass Gott mich im Abendmahl
angesprochen hat und mich bewegte. Es waren sehr eindrückliche
Begegnungen mit Gott.
3. Gnadenmittel als Kanäle — Missverständnisse
Wesley hat sich damals – wie wir heute – immer gegen zwei
Richtungen wehren müssen:
3.1. die eine Richtung ist die, dass Menschen sagen: Wenn ich nur
Christus im Herzen habe, dann brauche ich nichts mehr. ER ist mein
Gnadenmittel. Er hat mich erlöst, sein Blut macht mich frei. Und
dann ist alles weitere nur noch Werk. Wenn ich „auf dem Schoss“ des
Heilands sitze, brauche ich kein Abendmahl mehr, sondern bin ganz
eingehüllt in seiner Liebe. (Charismatische Ecke)
Wesley hat darauf geantwortet, dass Gott selbst uns diese Kanäle
vorgeschlagen hat. Er möchte, dass wir die Gnadenmittel benutzen.
Wie fromm können wir denn sein, dass wir es besser wissen als Gott?
Bei Christen, die meinen, ohne Gnadenmittel auszukommen, habe ich
den Verdacht, dass sie eher an sich selbst hängen und ihrem
Wohlfühl-Glauben als am lebendigen Gott, der es anders vorgesehen
hat.
3.2. Seine zweite Baustelle sind Menschen, die denken: Ich gehe ja in
den Gottesdienst, ich lese die Bibel, ich bete – also, was kann mir
passieren? Wenn ich das nur regelmäßig tue, dann bleibe ich an Gott.
Auch das ein großes Missverständnis!
Die Gnadenmittel sind nicht an sich Dinge, die wir absolvieren sollen
und dann wird alles gut.
Sie sind nicht mehr als Kanäle – oder Krüge, in denen Gottes Liebe
transportiert wird. Es ist nicht der Gottesdienst selbst, der uns
bewegt, sondern es ist Gottes Geist, der uns in einem Gottesdienst ergreifen kann, was zählt. Einer kann viele Jahre regelmäßig in den
Gottesdienst gehen und doch nicht erlöst sein – weil es nur eine
äußerliche Sache geblieben ist.
Es kann einer tausend Gebete sprechen und doch ist Gott nicht bei
ihm angekommen.
Wir finden die Liebe Gottes beim Lesen der Bibel erst, wenn der
Heilige Geist dazukommt und uns ergreift.
Das können wir nicht MACHEN, liebe Geschwister! Sein Geist weht,
wo er will. Aber wir können uns in den Gnadenmitteln für seinen Geist
öffnen und damit rechnen, dass etwas geschieht.
4. Gnadenmittel verwenden!
Deshalb ist es geboten, „bewusst und regelmäßig die Gnadenmittel in
Anspruch nehmen.“ Und auch etwas von ihnen zu erwarten.
Ich kann die Losungen lesen, „weil es eben dazu gehört“. Aber ich
kann sie auch so lesen, dass ich mich frage, an welcher Stelle mir
Gott für diesen Tag etwas mitgeben will. Vielleicht lese ich viele
Tage die Bibel und es geschieht nichts – aber eines Tages ergreift er
mich.
Ich kann in den Gottesdienst kommen, weil ich es immer tue. Oder
ich kann etwas davon erwarten, kann gespannt sein, was der Heilige
Geist mit heute mitgibt. Dann wird’s wirklich spannend. Und jeder
Sonntag in der Kirche wird ein Abenteuer, was Gott mir heute
mitgeben möchte.
Und erst wer diese Erfahrung gemacht hat und macht, wird gerne
und „freiwillig“ in den Gottesdienst kommen. (Vielleicht mangelt es an
dieser Stelle bei den jungen Leuten, dass sie das nicht kennen…)
Fasten und Verzichten wird noch genannt beim Wesley. Haben Sie es
mal versucht? In der Fastenzeit üben sich manche darin. Was für
Erfahrungen machen Sie?
Gottes Gnadenmittel „bewusst und regelmäßig in Anspruch nehmen“
(Allg Regeln 3) bedeutet: offen zu bleiben für Ihn und seinen heiligen 
Geist, weil er uns die Chance gibt, ihn und seine Liebe zu erfahren.
Dann wird er zu uns kommen und uns beschenken.
Also: Nicht der reine Vollzug an sich ist entscheidend, sondern dass
wir seine Gegenwart erbitten und erwarten. Und uns auf das
Abenteuer einlassen, dass der Heilige Geist in unser Leben spricht.
Amen.