Predigt zu den Allgemeinen Regeln John Wesleys – Teil 2

Predigt zu den Allgemeinen Regeln John Wesleys – Teil 2

Gutes tun
Pastorin Anne Oberkampf, Neuhütten

(Der Gründer der Methodistischen Bewegung, John Wesley, hat für seine Leute eine kleine
Zusammenfassung dazu geschrieben, was für die Methodisten gilt. Sie wurde bekannt als
„Allgemeine Regeln“ und umfasst drei Regeln: 1. Nichts Böses tun, 2. Gutes tun, 3. In der Liebe
Gottes bleiben.
Diese Predigt bezieht sich auf die zweite Regel.
Der Wortlaut John Wesleys zu dieser Regel lautet in einer modernen Fassung:
„Wir drücken unsere Sehnsucht nach Befreiung und Rettung dadurch aus, dass wir ALLEN
MENSCHEN GUTES TUN und barmherzig sind.
+ Wir stehen Menschen bei: Hungrigen geben wir zu essen, Nackten Kleidung, Kranke und
Inhaftierte besuchen wir.
+ Wir begleiten Menschen auf ihrem Lebensweg, indem wir sie anleiten, ermahnen und
konstruktiv kritisieren. Darin sehen wir einen Auftrag, dem wir uns nicht entziehen.
+ Wir tun besonders unseren Glaubensgeschwistern Gutes: Wir geben ihnen bevorzugt Arbeit,
wir kaufen voneinander und unterstützten uns gegenseitig im Geschäftsleben.
+ Wir sind fleißig und sparsam, damit durch uns kein falsches Bild des Evangeliums vermittelt
wird.
+ Wir entscheiden uns täglich dafür, ein Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Auch
unangenehme, schmerzliche und leidvolle Konsequenzen ertragen wir.
Text aus: Herausfordernd einfach, 3 Regeln, die das Leben verändern. Hg vom Referat
für Öffentlichkeitsarbeit der EmK, Frankfurt am Main)
Liebe Geschwister,
in unserem „Seminar am Stammtisch“ hatten wir es diese Woche von
den „Abwertern“. „Abwerter“ sind Menschen, die im anderen nur das
Negative sehen, das zu kritisieren ist, das was besser sein könnte.
Abwerter sehen in ihren Mitmenschen immer nur den Mangel, sie
sehen sich selbst umgeben von einem „Haufen von Idioten“. Und weil
sie das ändern wollen, beginnen sie, diese „Idioten“ auf ihre Fehler
aufmerksam zu machen.
„Jeder Trottel weiß doch, dass man…“
„Aus dir wird nie etwas…“
„Wer mit dieser Methode arbeitet, wird nie erfolgreich werden!“
Wesleys zweiter Punkt ist das genaue Gegenteil von diesem
Menschenbild. Er empfiehlt uns: „Allen Menschen Gutes tun und
barmherzig“ zu sein.
1. Wir tun Gutes, wenn wir uns um die Nöte der Mitmenschen
kümmern – egal wer sie sind: Welche Hautfarbe sie haben, ob sie
nett sind oder nicht, sogar, ob es mein Feind ist.
Die 7 Werke der Barmherzigkeit haben in der Kirche eine große
Tradition.
Hier können wir einiges tun, denke ich. Obwohl uns der Sozialstaat so
viel abnimmt (das war zu Wesleys Zeiten noch nicht so!).
* Aber was spricht dagegen, immer wieder zu spenden, wo Menschen
in Not geraten sind? Im Südsudan, in den Krisengebieten der Welt,
auch hier für Vereine, die soziale Arbeit tun mit jungen Müttern, mit
Missbrauchsopfern, mit Kindern, deren Eltern geschieden sind etc.
* Vielleicht gehört zum Guten tun auch ein Organspendeausweis.
Menschen können dann durch meine Organe weiterleben oder besser
leben. Vielleicht hat nicht jeder die Freiheit dazu. Aber sicherlich ist
das etwas Gutes, was wir tun können.
* Kranke besuchen. Ja, das tun die meisten von uns gerne und das
sind gute Dienste! Dazu nehmen könnte man noch die Altenbesuche.
Wie viele Alte sind einsam und freuen sich über eine Zeit der
Ablenkung, des Wahrgenommen-werdens…? Ich erlebe das sehr viel
in meiner Tätigkeit. Das ist in Zeiten, in der es nur noch wenig
Großfamilien gibt, eine große Not geworden: die Einsamkeit der
Menschen.
* Das Haus Tabor (ein Haus für ehemals Suchtkranke) haben wir
auch immer wieder einmal auf unserer Tagesordnung gehabt in den
Gremien. Ehemalige Suchtkranke. Können wir ihnen Gutes tun?
Zwei bis drei Leute vom Haus gehen nun schon eine gute Zeit in
Wüstenrot in den Gottesdienst. Wer hätte hier die Offenheit und
Freudigkeit, einmal die Fühler auszustrecken und zu erkunden, wie
man den Menschen dort Gutes tun kann? Bitte bei mir melden 😊!
Für Wesley gehört zum Guten tun auch so etwas wie eine
Lebensbegleitung von Menschen. „… indem wir sie anleiten, ermahnen
und konstruktiv kritisieren.“ – Was meint er damit?
Die Methodisten damals versuchten, das Leben der Menschen zu
bessern, auch und gerade in ethischem und alltäglichen Sinne zu
bessern. Es ist vielleicht heute vergleichbar mit dem, was wir von
manchen Missionsprojekten hören. z.B. in Namibia von der Arbeit mit
jungen Müttern. Die Methodistenkirche hält dort Kurse für junge
Schwangere, wie sie mit sich selbst und dem Kind umgehen. Um
Hygiene geht es da und um den guten Umgang mit dem Baby, sie
lernen, sich eine Erstausstattung für das Kind selbst zu nähen. Ganz
praktische Hilfe zum Leben.
Auch hierzulande kann manche Familie solche Hilfe gut gebrauchen.
Nicht nur unter den Flüchtlingen, aber auch dort. Basisarbeit.
Pädagogik. Hygiene und Gesundheitsfürsorge.
Darum laden wir ja manchmal ein zu Erziehungsthemen oder sprechen
darüber in unseren Kreisen. Darum machen wir ein Paarseminar, um
ganz praktische Hilfe zu geben, wie Menschen leben können.
Aber es geht auch noch weiter hinein in unsere Familien- und
Freundeskreise:
Den zu sehr Leistungsorientierten sagen: Du bist gut, auch wenn du
nicht arbeitest! Dein Wert hängt nicht an der Arbeit!
Die Kranken nicht nur zu besuchen, sondern mit ihnen beten, ihnen zu
helfen, den richtigen Weg in der Behandlung zu finden. Mit ihnen
auszuhalten, was so schwer zu ertragen ist. Wer Schmerzen hat, las
ich in einer Zeitschrift, erträgt sie leichter mit einer Hand in der
seinen! Das ist anscheinend wissenschaftlich erwiesen.
In schweren Situationen am Krankenbett, an dem niemand mehr
Hoffnung hat und die Nerven blank liegen, die Bibel einbringen.
Bsp. In einem Verteilblatt las ich neulich etwas. Ein Mann erzählt, wie
an einem Samstag seine Frau zusammenbrach. Der Notarzt kam und
injizierte eine Lösung, gegen die die Frau aber allergisch reagierte.
Sie begann nun zu krampfen und die Verzweiflung der Familie wurde
groß und größer. Der Krankenwagen kam, konnte die Frau in dem
Zustand aber nicht mitnehmen. Mitten hinein in die Anspannung
begann die Tochter dann den Psalm 23 zu zitieren „Der Herr ist mein
Hirte“. In dem Blatt steht: „Nicht dass es dadurch automatisch
besser geworden wäre.… Aber wir hatten es wieder ins Blickfeld
bekommen: Wir sind auf jeden Fall in Gottes Hand.“
Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten und ihnen immer wieder die
Liebe Gottes, seine Nähe und Fürsorge zusagen, das gehört zu
„Gutes tun“. Und ich glaube, da sind wir auch gar nicht so schlecht. 😊
2. Barmherzigkeit.
Wir sind ausgegangen in dieser Predigt vom „Abwerter“, der nur das
Negative sieht, statt den Menschen als Geschöpf Gottes zu sehen.
Für ihn gilt auch das zweite Stichwort in Wesleys zweiter Regel:
„barmherzig sein“.
Barmherzigkeit ist, wenn ich einem etwas Gutes tue, auch wenn er es
scheinbar nicht verdient hat, auch wenn er sich nicht bedankt, auch
wenn es einer ist, der – im Extremfall – dein Feind ist.
Bsp. in der vorletzten Woche hat Gott mich dazu gebracht, mein
Kinderbettchen weiterzugeben an eine Flüchtlingsfamilie. Er hat so
lange an mir gezogen, bis ich zugestimmt habe. Dann habe ich erst
die Schrauben nicht gefunden und dachte, ich komm noch einmal
drum herum… aber Gott hat es mir nicht durchgehen lassen.
Ich habe der Familie gesagt, dass ich es gerne zurückhaben möchte,
wenn sie es ausgebraucht haben. Vielleicht gibt’s ja bei mir auch mal
Enkel 😊 Aber ich weiß nicht, ob ich mich darauf verlassen kann und
habe gemerkt, dass ich das Bettchen loslassen muss, wenn ich es
hergeben möchte. Das war schon schmerzhaft. — Die Flüchtlinge
haben es sehr selbstverständlich genommen. Ob sie es „verdienen“??
Ich musste mich selbst zur Ordnung rufen: Die Hilfe des Christen
hängt nicht daran, ob der andere sie verdient hat oder nicht. Denn
GOTT will, dass wir Gutes tun, bei ihm wird alles verzeichnet sein.
Liebe Geschwister, das ist sehr wichtig: Bei Gott wird niemals
vergessen, selbst wenn ich selbst so viel Dinge vergesse – bei ihm
steht es im Buch des Lebens. Und ich möchte doch so leben, dass es
IHM gefällt.
Also: Barmherzig sein mit den „Trotteln“ um mich herum. Gutes tun
auch dort, wo nichts oder weniger zurückkommt.
Denn wie war das noch bei Jesus? Tut er es nicht ebenfalls für mich
und Sie? Mit welcher meiner Herzenshaltungen, mit welcher meiner
Taten, mit was eigentlich kann ich Jesus zurückgeben, dass er für
mich gestorben ist am Kreuz?
Bin ich nicht auch mehr als unvollkommen und mache so viele Fehler,
gehöre zu dem „Haufen von Idioten“, für die Jesus alles – sein Leben
— gab.
Und dann möchte ich unbarmherzig sein gegenüber anderen?
Also: Wie er mir – so ich meinem Nächsten.
Barmherzigkeit hat er festgemacht am Kreuz. Er hat bezahlt mit
seinem eigenen Leben und nun ist in meinem Leben genug Kleingeld da,
um anderen gegenüber barmherzig zu sein — unabhängig davon, ob sie
es „verdient“ haben.
Unsere Gesellschaft sagt uns heute immer wieder und zu allen
möglichen Gelegenheiten, dass wir selbst uns am Wichtigsten sein
sollten. Jesus lehrt uns etwas ganz anderes: „Gutes tun.“
„Liebet eure Feinde. Tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die,
die euch verfluchen. Betet für die, die euch beschimpfen.“ Lk 6
EINEN Schritt gehen. 
Die Nöte der Welt, Familie, Nachbarschaft, Gemeinde.… sind so groß,
dass ich mich darin selbst verlieren würde. Deshalb EINEN Schritt
gehen.
Und wie umgehen mit dem Gefühl, ausgenutzt zu werden? Nur
EINEN Schritt gehen. Und ihn für Jesus gehen – vom Geist Gottes
getrieben. Das hilft sehr gegen die negativen Gefühle.
„Wir entscheiden uns täglich dafür, ein Leben in der Nachfolge
Christi zu führen. Auch unangenehme, schmerzliche und leidvolle
Konsequenzen ertragen wir.“ (Allg. Regeln 2)
Und bei allem bedenken: ich darf (und muss!) mich natürlich auch um
mich selbst kümmern! Den anderen lieben WIE MICH SELBST. Wer
sich selbst nicht liebt, kann sich nicht um andere kümmern.
„Gutes tun“ heißt nicht, sich selbst aufgeben. Überfordern soll sich
keiner. Aber es heißt: Sich nicht nur um sich selbst drehen, sondern
andere Menschen im Blick behalten. Und immer wieder überprüfen,
ob sich die eigenen Grenzen nicht zugunsten von Jesus verschieben
lassen. Meine Möglichkeiten sind anders, wenn ich kleine Kinder habe
und anders, wenn ich gerade in den Ruhestand eingetreten bin, aber
körperlich noch ziemlich fit. Insofern ist es wohl immer wieder nötig
zu fragen, wie sich auch mein Dienst an Jesus ändern kann.
Liebe Geschwister, ein „Abwerter“ steckt in jedem von uns! Mit dem
„Egoisten“ in uns werden wir schon geboren, es gehört zu den
Selbsterhaltungstrieben. Zum Christen macht uns der Heilige Geist
und wir selbst, wenn wir unseren Blick auf ihn richten und dabei den
anderen sehen, der meine Hilfe braucht.
Seid barmherzig mit den „Idioten“ um euch herum und helft, wo ihr
könnt. Der andere: ein Mangelwesen – wie ich selbst auch! Aber er ist
wie ich eine „Idiot“, der Barmherzigkeit verdient hat, weil Christus
ihm das gewährt. — Wenn wir Menschen so sehen können, dann kommt
das Gute von ganz alleine.
EIN Schritt – Der Heilige Geist gebe uns die Kraft dazu.
Amen