Predigt zu den Allgemeinen Regeln John Wesleys Teil 1

Predigt zu den Allgemeinen Regeln John Wesleys – Teil 1
Nichts Böses tun
Pastorin Anne Oberkampf, EmK Neuhütten

(Der Gründer der Methodistischen Bewegung, John Wesley, hat für seine Leute eine kleine
Zusammenfassung dazu geschrieben, was für die Methodisten gilt. Sie wurde bekannt als
„Allgemeine Regeln“ und umfasst drei Regeln: 1. Nichts Böses tun, 2. Gutes tun, 3. In der Liebe
Gottes bleiben.
Diese Predigt bezieht sich auf die erste Regel.
Der Wortlaut John Wesleys zu dieser Regel lautet in einer modernen Fassung:
„Wir drücken unsere Sehnsucht nach Befreiung und Rettung dadurch aus, dass wir NICHTS
BÖSES TUN und zerstörerischen Verhaltensweisen aller Art aus dem Weg gehen.
Das betrifft auch alltägliche und inzwischen üblich gewordene Verhaltensweisen, zum Beispiel:
+ Den Namen Gottes missbrauchen.
+ Den Sonntag als den Tag des Herrn durch unnötige Arbeit, Kaufen oder Verkaufen
herabsetzen.
+ Sich betrinken und Suchtmittel jeglicher Art kaufen, verkaufen oder konsumieren (außer in
Fällen medizinischer Notwendigkeit)
+ Menschen ausbeuten.
+ Gewalt ausüben, egal ob sie körperlicher oder seelischer Art ist; unversöhnlich sein bis hin zu
gerichtlichen Auseinandersetzungen untereinander; Böses mit Bösem und Beleidigungen mit
Beleidigungen vergelten; in geschäftlichen Angelegenheiten betrügen.
+ Steuern hinterziehen.
+ Dinge gegen zu hohe Zinsen nehmen, geben oder allgemein mit Geld spekulieren.
+ Schlecht über andere Menschen reden, insbesondere über Personen in geistlicher
Leitungsverantwortung und anderen verantwortungsvollen Positionen.
+ Menschen anders behandeln als wir selbst von ihnen behandelt werden wollen.
+ Alles, was nicht zur Ehre Gottes geschieht, zum Beispiel das Protzen mit Luxus oder
Verhaltensweisen, die dazu dienen, sich von anderen abzugrenzen oder sich über andere zu
erheben.
+ Die Beziehung zu Gott stören, indem wir uns durch Dinge ablenken lassen, die nicht mit dem
Glauben vereinbar sind.
+ Medien konsumieren, die nicht helfen, Gott zu erkennen oder seine Liebe zu erfahren.
+ Sich gehenlassen und mit sich selbst überrieben nachsichtig sein.
+ Materielle Güter anhäufen.
+ Geld leihen oder Güter kaufen, wenn die Schulden voraussichtlich nicht zurückgezahlt werden
können.“
Text aus: Herausfordernd einfach, 3 Regeln, die das Leben verändern. Hg vom Referat
für Öffentlichkeitsarbeit der EmK, Frankfurt am Main)
Liebe Geschwister,
stellt euch einmal vor, ihr würdet eine Woche lang ganz auf den
Fernseher verzichten. 
Stellt euch mal vor: Das Internet würde zusammenbrechen und ihr
würdet keine einzige Whatsapp mehr schicken oder empfangen,
keinen Chat mit der Klasse oder mit anderen Gruppen, kein Snapchat.
Auch kein PC-Spiel, kein Einziges. – Kurz wirken lassen: Wie wäre
das? Was würde passieren? 😊
Was hättet ihr für Zeit!!!
Vielleicht würdet ihr dann abends früher ins Bett gehen und wärt
morgens ausgeschlafener, vielleicht wären manche weniger
aufgekratzt ohne die Abschieß-Spielchen auf dem PC und das täte
ihrer Ausgeglichenheit und Laune gut. Ihr hättet mehr Zeit und
Energie für eure Freunde und Kinder. Wann habt ihr zuletzt ein
gemeinsames familiäres Brettspiel gemacht? Am Allerwichtigsten:
Zeit für Gott. Jeden Tag einen Abschnitt aus der Bibel lesen und
beten. Das wäre ja Wesleys Empfehlung!
Für John Wesley gehören die Medien zu den Dingen, von denen man
sich nicht beherrschen lassen darf. Damals ging es ihm – für uns
heute harmlos! – um nicht-christliche Bücher oder Lieder: „Medien
konsumieren, die nicht helfen, Gott zu erkennen oder seine Liebe zu
erfahren.“
Wenn der wüsste, wie die Medienlandschaft heute aussieht!!!
Wesley wäre sicherlich begeistert von der Bibel-App oder PredigtenLesen
im Smartphone oder Bibelspielen. Vielleicht auch über manche
Fernsehsendungen. Aber dass so viele Leute ihre Zeit mit sinn- und
gottlosen Spielen und Filmchen und Spielfilmen verbringen, würde er
nicht gutheißen.
Und ich frage mich das auch viel zu oft, warum ich nicht nach der
Tagesschau abschalte und stattdessen den x-ten Krimi anschauen,
der auch wieder zu nichts taugt.
Könnte ich da profitieren von den „Allgemeinen Regeln“?
Der Methodismus, liebe Geschwister, ist keine Bewegung gewesen,
die eine neue Theologie gewollt hätte oder neue Lehrsätze oder eine
neue Dogmatik. 
Aber er wollte, dass Menschen mit ihrem Leben Jesus nachfolgen,
dass sie ein guter Baum sind und immer besser werden. Er wollte,
dass die Methodisten sich danach sehnen, „dem bevorstehenden
Gericht Gottes zu entgehen.“ und „von aller Schuld befreit zu
werden.“
Und dazu gehörte für ihn eben nicht, dass wir etwas Besonderes
bekennen und auch nicht, dass unser Herz voll von biblischer
Weisheit ist, sondern dass unser Alltag völlig durchdrungen ist von
Gottes Gegenwart.
Er selbst hatte es oft erlebt: Kleine Veränderung im alltäglichen
Leben machen oft einen großen Effekt.
Aber dadurch wirkt und ist Wesley auch immer ein wenig wie ein
Moralapostel. Das werden wir nicht ändern. > Diese Predigt wird also
keine Wohlfühlpredigt werden, sondern an manchen Stellen sogar
provozieren. Seid dabei sicher: Sowohl John Wesley als auch ich
lieben Sie alle und ich will es mir nicht mit euch verscherzen wegen
dem guten, alten John. Jeder von uns ist ein geliebtes Kind Gottes.
Ich bin ja in viel zu vielen seiner Punkte selbst ziemlich schlecht!!
Aber nehmt es doch als Anregung, wo ihr im Leben auch etwas
überdenken könntet. So ist es gedacht!
Als vor über 250 Jahren Menschen in der methodistischen
Erweckungsbewegung auf Alkohol verzichteten, hatten Familien
plötzlich wieder mehr Geld. Kein angetrunkener Vater pöbelte sich
durch die Familie. Man ging besser miteinander um. Die Kinder
konnten in die Schulen gehen, was wiederum die Voraussetzung für
den sozialen Aufstieg war.
Darum gehört für ihn zum Bösen auch: „sich betrinken und
Suchtmittel jeglicher Art kaufen, verkaufen oder konsumieren (außer
in Fällen medizinischer Notwendigkeit.)“
Der Nachsatz ist ja ganz aktuell: Im Januar wurde ein Gesetz
verabschiedet, das den Cannabis-Konsum bei Menschen mit großen
Schmerzen in Deutschland erlaubt.
Aber womit rechtfertigen wir es, dass unsere Kinder und
Jugendlichen wo auch immer oft schon recht früh damit konfrontiert
werden, dass Alkohol „ganz normal“ ist, ja, dass man es geradezu
braucht zum Feiern.
Wie gehen wir mit den jungen Männern und zunehmend auch jungen
Frauen um, die sich erst dann cool und akzeptiert fühlen, wenn sie
beim Komasaufen gewinnen. Sagen wir uns: Es nützt sowieso nichts,
etwas zu sagen? Finden wir es denn heimlich selbst cool? Denken wir,
die Jungen müssen sich austoben? Wollen wir nicht als Miesepeter
dastehen oder Moralapostel?
Jesus selbst hat doch Wasser in Wein verwandelt damals in Kana bei
der Hochzeit.
Bsp.: Meine verwitwete Vermieterin an meiner ersten PastorenStelle
hat einen ehemaligen Alkoholiker geheiratet. Sie erzählte mir,
dass sie seit diesem Tag nie wieder Alkohol getrunken hat – aus
Solidarität mit ihrem Mann. Im Gegenteil: sie leitete viele Jahre eine
Gruppe des „Blauen Kreuzes“, in der sich ehemalige Suchtkranke
trafen und gegenseitig halfen – auch ein Zweig methodistischer
Arbeit. Sie war hier ganz radikal!!
Bsp: Als es um die Besprechung der Abschlussfeier der 10er ging, ist
eine Mutter aufgestanden und hat dafür plädiert, wenigstens die
gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten bei dieser Feier. Das war
mutig.
Eine andere aktuelle Sache hat Wesley auf seiner Liste, wo
Menschen Böses tun: „Menschen ausbeuten.“
Zu seiner Zeit hatte er natürlich die Sklavenfrage im Blick. Hier
wurden Menschen ihrem eigenen Zweck entfremdet. Und tatsächlich
hat die methodistische Bewegung sehr dazu beigetragen, die
Sklaverei abzuschaffen.
Und heute?
Im „Stern“ kam ein Artikel über syrisch Flüchtlingskinder, die in der
Türkei an Sandalen arbeiten für den europäischen Markt. Sie nähen
Perlen auf oder machen Schlingen oder was auch immer Maschinen
nicht tun können. Sie bekommen wenig Geld, arbeiten von morgens bis abends und ruinieren ihre Gesundheit schon in Kindertagen. Bei uns
liegen diese Sandalen dann im Regal und ich kaufe sie – weil ich es gar
nicht weiß, wer diese Schuhe eigentlich produziert hat. Beteilige ich
mich da nicht an der Ausbeutung von Menschen?
Kaufen wir die abgespritzte Jeans für 5 Euro aus der Türkei obwohl
wir wissen, dass auch hier Menschen Gesundheitsschäden davon
tragen, nur weil es für uns cool ist, eine Jeans zu tragen, die schon
weiße Flächen hat??
Bei den Weltgebetstagen hören wir oft von armen Ländern, wie sehr
ihre Länder ausgeplündert werden oder wurden. Warum exportiert
Europa Hähnchen nach Afrika? Damit wird doch nur der dortige
Markt kaputt gemacht. Und dann wundern wir uns, wenn Menschen
massenhaft als Flüchtlinge kommen? Da nützt alle Entwicklungshilfe
nichts – nicht einmal, um unsere Gewissen reinzuwaschen.
Gerade ist G20-Gipfel gewesen. Es ist schon auffällig, welche
Staaten vertreten sind und welche eben auch nicht.
Die Pflegekraft rund um die Uhr? Nur weil sie in schlechteren
Bedingungen wo auch immer lebt, verpflichten wir die Menschen, hier
etwas zu tun, was deutsche Pflegekräfte nicht tun würden und nicht
bezahlbar wäre. Natürlich: wir behandeln sie gut. Und dennoch wäre
es für diese Leute besser, sie könnten entweder sich hier ein Leben
aufbauen oder zuhause für ihr Leben auskommen.
Liebe Geschwister, wir sind heute durch die Weltwirtschaft so
verstrickt in Ausnützungsstrukturen, dass wir eigentlich nur hilflos
dastehen können.
Aber dann gibt es doch welche von uns, die wenigstens an einer
Stelle damit anfangen, den Kreislauf zu durchbrechen. Da hinten ist
der Stand dazu – gepa steht für faire Preise, für eine bessere
Zukunft von ganzen Dörfern, Kindern und eine schonende
Landwirtschaft. Wenigstens ein Stück – wenn wir es auch nicht überall werden schaffen können — können wir bewusster einkaufen
und das Böse meiden. Und das ist vielleicht schon ganz viel! Ein
kleiner Schritt, der für andere – und für mich – Großes bewirkt.
Auch bei unserer Ratlosigkeit gilt: „Lasst euch nicht vom Bösen
überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“
Eigentlich sollten wir noch einige Punkte mehr aufnehmen von unserer
Liste.
Das Zinsverbot zum Beispiel. Es ist für Wesley böse, „Dinge gegen zu
hohe Zinsen (zu) nehmen, geben oder allgemein mit Geld spekulieren“.
Für unser Geld auf dem Sparkonto bekommt man kaum mehr einen
Zins. Und wir klagen darüber. Sogar von Zeiten des Negativzinses
wird gesprochen. Dabei steht in der Bibel ein Verbot von
Zinsnehmen: Dtn 23,20: „Du darfst von deinem Bruder keinen Zins
nehmen, weder Zins auf Geld noch Zins auf Lebensmittel noch Zins
auf irgend etwas, wofür man Zinsen nimmt.“ – warum also klagen wir?
Ich bewundere in dieser Hinsicht die genossenschaftlichen Modelle
sehr: Menschen geben Geld ohne Zins, aber sie profitieren vom
Erfolg des Unternehmens. Bsp: Meine Eltern kaufen auf dem Markt
bei einem Käsestand, dem sie Geld gegeben haben. Und einmal im
Jahr bekommen sie dann eine bestimmte Menge umsonst – ein Ertrag
von der Arbeit des Bauern, als Anteil sozusagen.
Auch die Banken sind hier übrigens in ihrer Geschäftsphilosophie
sehr unterschiedlich!
Liebe Geschwister, es lockt, noch mehr davon zu besprechen:
Stellt euch vor, es ist verkaufsoffener Sonntag und keiner geht hin!
Wie haltet ihr es mit der Wahrheit bei den Steuern?
Redet ihr schlecht über andere? V.a. über solche in
Leitungspersonen, auch in der Kirche?
Unversöhnlichkeit — Ein Thema für Sie?
Mit sich (oder seinen Kindern) übertrieben nachsichtig sein. Wir haben nicht die Zeit dazu, alle Punkte zu besprechen – aber ich
empfehle es euch einmal, die Punkte intensiv und genau anzusehen
und zu überlegen, an welcher Stelle ihr schon gut unterwegs seid und
wo ihr Jesus konsequenter nachfolgen wollt.
Es wird viele Punkte geben, wo ihr denkt: Das würde ich gerne
schaffen, aber ich schaffe es nicht.
Wesley würde dann vielleicht sagen: „Dann hat der Heilige Geist noch
nicht genug Besitz von dir ergriffen und die Gnade ist noch nicht
groß genug, dass du diese Schritte gehst. Sei für heute barmherzig
mit dir, bekenne Gott deine Hilflosigkeit und suche weiter nach der
Gnade! Er wird sie dir schenken.“
„Herausfordernd einfach“ heißt das Buch. Vielleicht verstehen wir
jetzt den Titel. Es ist doch ganz einfach zu sagen, was gut und
richtig ist. Aber wie herausfordernd-schwer sind die Dinge dann oft
umzusetzen. Die Regeln sind leicht zu verstehen, aber schwer
umzusetzen. Es braucht Mut und Disziplin, die üblichen Wege zu
verlassen.
Aber die Bibel mahnt uns: „Gleicht euch nicht dieser Welt an,
sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen
und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was
gut und vollkommen ist.“ (Römer 12,1–2)
Schwierig ist es besonders dort, wo es unseren eingespielten Alltag
betrifft. Das Glas Wein jeden Tag, unsere Mediengewohnheiten,
unser erlerntes Bedürfnis, Geld anzuhäufen und für uns zu behalten –
weit mehr als das, was wir zu unserer eigenen Lebenssicherung
brauchen.
Herausfordernd sind sie, diese Regeln und sie erfordern ein hohes
Maß an Distanz zu den Meinungen anderer und zu dieser Welt, ein
hohes Maß an Vertrauen in Jesus. Aber tief im Herzen wissen wir,
dass wir unser Leben ganz an Jesus ausrichten wollen und davon sehr
profitieren – samt unseren Mitmenschen.

Also: Ein Stück bewegen. Immer wieder. Voranschreiten in der
Heiligung. Manches in Frage stellen, was „normal“ scheint und Jesus
nachfolgen, der für uns „normal“ sein sollte. Nicht in sicherem
Abstand folgen oder sich abwenden, sondern darauf vertrauen, dass
wir an Jesu Weg wachsen können und Gottes Wille tun. Lasst euch so
von Gott formen und verändert damit (so heißt es in der VLO) die
Welt.
Amen.